, , ,

Fuck-Up oder Abfuck? Human Beings im Zentrum von New Work

Meine beiden, von den Abiturprüfungen geplagten Töchter, unterhalten sich müde über ihre peinlichen Prüfungssituationen, als ich um kurz vor Mitternacht nach Hause komme. „Macht Euch nicht´s draus, sowas wird euch noch öfters passieren. Ich komme gerade von einem Fuck-up Abend, wo nur solche Geschichten erzählt wurden.“ Die beiden schauen kurz und lachen im Duett „Du meinst Abfuck-Abend“. „Nein Fuck-Up Abend“ Fuck-up oder Abfuck – so geht es einige Zeit hin- und her bis ich auf der Internetseite des AgenturCamp nachschaue. „Aber heute heißt das doch Abfuck“. Damit beenden sie das Gespräch und gehen schlafen.

Ich bleibe nachdenklich zurück. Verdeutlicht dieses kurze Gespräch nicht genau die Problemstellung zwischen den Generationen in der Arbeitswelt? Unterschiedliche Begriffe und Begriffsdefinitionen sind hier zum Glück das kleinste Problem. Es geht vielmehr um unterschiedliche Erwartungshaltungen, unterschiedliche Einstellungen, unterschiedliche Offenheit und verschiedene Ideen von Arbeit. Die Sicht auf Human Beings im Zentrum von New Work.

Für den nächsten Tag des Agenturcamps plane ich eine eigene Session.

Ich möchte mehr über die Herausforderung erfahren. Wie gehen Unternehmer und Mitarbeiter in der Praxis mit dieser Thematik um? Welchen Herausforderung bei der Mitarbeiterförderung muss man sich stellen und wie ist überhaupt das Bild auf den Menschen? Wie sind der Unternehmer als Mensch und der Mitarbeiter als Mensch im Unternehmen miteinander verbunden.

Es ist meine erste Session auf einem BarCamp. Und es kostet mich einige Überwindung für den Pitch nach vorne zu gehen und mein Vorhaben wirklich umzusetzen. Doch meine Geschäftspartnerin Alina Hodzode hat den Text schon auf die Karte geschrieben und schubst mich quasi zum Gehen. Alles in allem bin ich froh, diesen Schritt gemacht zu haben.

Unterschiedliche Erwartungshaltungen treffen aufeinander…

Es hat sich eine Gruppe von 12 Teilnehmern zusammengefunden, die mit uns über das Thema diskutieren. Was für ein Glück, dass sowohl einige engagierte Agenturleiter, als auch Vertreterinnen der Millennial Generation und Mitarbeiter aus der Personalförderung dabei sind. So erhalten wir einen sehr guten Einblick in die jeweiligen Denkweisen und die damit verbundenen Herausforderungen.

Die Meinung, dass Unternehmen von Ihren Mitarbeitern immer mehr verlangen, sich zu 100% mit dem Unternehmen zu identifizieren und dabei Familie und Privates an der Garderobe abzulegen, um sich zu 100% für das Business einzusetzen, wird durchweg widerlegt.

Erwartungen werden enttäuscht.

Unternehmer sind sehr wohl bereit, Freiraum zu geben, doch wird er nach Meinung einiger Teilnehmer vielfach missbraucht. „Reicht man den kleinen Finger, fordert der Mitarbeiter direkt die ganze Hand“, so ein teilnehmender Arbeitgeber.
Er schildert die Schwierigkeiten, was es im Detail bedeuten kann, menschlich zu führen und dabei Grenzen zu erkennen und zu setzen. Wenn man als Arbeitgeber Räume für Entfaltung, für Privates und für Familie zur Verfügung stelle, dann werde man leider immer wieder persönlich enttäuscht von Mitarbeitern, die dieses entgegengebrachte Vertrauen nicht wertschätzten und ihre Verantwortung erkannten, sondern eher ausnutzten.
Die Erwartung, dass, wenn der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter einen Freiraum gibt, dieser in einer Art „Schuld“ steckt, welche er doch bei Gelegenheit wieder „zurückzahlen“ sollte, ist tief verbunden mit der Angst vor Enttäuschung.

Auch die Vertreter anderer Agenturen, zum Teil Mitarbeiter aus dem Personalbereich, bestätigen dieses Spannungsfeld. Alle scheinen bereit zu sein, flexible Arbeitsmodelle zu ermöglichen, aber sie stellen auch fest, dass die Anforderungen der neuen Generation sehr hoch sind:
“…Eine geile Aufgabe, 4-Tage-Woche, viel Verantwortung, ein geiles Gehalt und natürlich jederzeit Home-Office…” wird mitunter gefordert.

Auf der Suche nach selbstverwirklichender Arbeit.

Dem entgegnet eine jüngere Teilnehmern, dass Millennials vor allem auf der Suche nach einem Job sind, der sich nicht wie ein solcher, vom Privaten getrennt anfühlt. Die Trennung von Work-Life ist für sie ein unverständliches Konstrukt, denn in ihrer Vorstellung ist Arbeit Leben und Leben Arbeit. Sie erwarten Aufgaben mit Verantwortung, um sich selbst zu verwirklichen. Sie wollen ihre Zeit nicht für irgendetwas einbringen. Außerdem besteht in ihrer Generation ein komplett anderer Zeitrhythmus und ein anderes Zeitverständnis.

Sie meint weiter, dass die junge Generation sehr wohl bereit ist, Verantwortung für etwas zu übernehmen, dass Sinn macht und weiterbringe. Und vor allem möchten sie ausbrechen aus dem Reglement und der ewigen Bewertung von Schule, Elternhaus und Uni. „ Wir haben den Luxus, aus unendlichen Möglichkeiten zu wählen und von überallher Unterstützung zu erhalten.“ Doch Themen wie Lebensführung als wichtige Voraussetzung für ein verantwortliches, menschliches und gemeinschaftliches Miteinander, haben sie in der Form, wie von den Agenturen scheinbar erwartet wird, nicht gelernt. Weder Schule noch Uni bieten eine Plattform dafür.

Unternehmen als Lehrer für das Fach Lebensführung?

Der Agenturleiter resümiert: Er erkenne nun, dass er selbst möglicherweise durch orientierungsgebende Angebote und Positionen bei jungen Mitarbeitern das Erlernen dieser Lebenstugenden unterstützen könne, um so ein nachhaltiges Team aufzubauen.

Ob es denn immer unbedingt eine Wohlfühlatmosphäre sein müsse, kritisiert ein anderer Agenturleiter, der das ständige Streben nach dem Wohlfühlen generell einmal hinterfragen möchte. Das Leben ist bestückt mit vielen Auf- und Ab´s, mit guten und schlechten Zeiten.

In der weiteren angeregten Diskussion wird deutlich, dass ein Miteinander, ein Gefühl der Verbundenheit und der Verantwortungsübernahme sowohl von Mitarbeitern, als auch von Agenturchefs gewünscht ist. Wir einigen uns abschliessend darauf, dass ein passendes und offenes Umfeld, in dem alle Erwartungen erfüllt sind, gar nicht so leicht zu kreieren ist.

Persönliches Fazit für Human Beings im Zentrum von New Work:

Durch den offenen und ehrlichen Austausch erhielten wir einen tiefen Einblick in die aktuellen Herausforderungen, wenn Generationen in Unternehmen aufeinandertreffen. Die Erkenntnisse aus der geführten Diskussion bestärken unseren Unternehmesnansatz bei Integrale Vision: Nur wenn jeder einzelne offen und vertrauensvoll ist, kann das Unternehmen gemeinschaftlich stark, innovativ und groß werden.
Denn die Crux im Zusammenarbeiten ist und bleibt die Persönlichkeit eines Jeden. Inwieweit stellt sich jeder seinen Ängsten? Inwieweit ist der einzelne bereit, Vertrauen in den anderen zu haben? Wie sind die jeweiligen Fähigkeiten der Kommunikation, der Akzeptanz und der Toleranz? Und zwar in beide Richtungen, von Mitarbeiter zu Unternehmer und natürlich umgekehrt. Wer will man sein, in diesem Spiel?

Gleichzeitig helfen uns die wertvollen Einblicke während der Diskussion unsere Produkte und Schulungen praxisnah weiter zu entwickeln. Der Mensch darf Mensch sein. Human Being kann Spannungsfelder der Personalführung, Motivation und Mitarbeiterentwicklung in die Zukunft führen.

Vielen Dank an alle Teilnehmer der Session, an Humans of New Work (Monika, Jana und Julia) für die Möglichkeit an dem AgenturCamp teilzunehmen und an die Organisatoren des Camps, Jan Theofel (Bild) und Hans-Gerhard Kühn.

Kun Ya Andrea Schmidt

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.